Vasektomie

08.05.07
Im zweiten Halbjahr des
letzten Jahres wurde eine Umfrage zur Vasektomie durchgeführt. Die Ergebnisse sind nun veröffentlicht.

 

Operationstechniken

Die Operation selbst ist recht unkompliziert, sie wird meist ambulant und unter örtlicher Narkose durchgeführt. Der Arzt legt mit zwei kleinen Schnitten die Samenleiter frei, durchtrennt und verschließt diese dann wieder. Die Enden werden im Gewebe versenkt, damit sie nicht wieder zusammenwachsen. Es kommt in wenigen Fällen zu Hodenschmerzen, die aber vorübergehend sind. Manche Männer klagen über zeitweilige Schwellungen und Blutergüsse. Selten kann es auch zu Entzündungen der Nebenhoden oder der Bildung eines Spermagranuloms (schmerzhafte kleine Schwellung aufgrund einer Spermastauung an der Verschlussstelle) kommen. Eine Kontrolluntersuchung des Spermas erfolgt einige Zeit nach der Operation und wird wiederholt, so lange noch Spermien gefunden werden.

Im Wesentlichen gibt es folgende unterschiedliche Operationstechniken:

Fulgurationstechnik (minimal-invasive Vasektomie)

Fulgarationstechnik Bei der von Schmidt inaugurierten Fulgurationstechnik wird durch Einbringen einer Diathermienadel in den Samenleiter eine thermische Schädigung der Mucosa hervorgerufen. Die nachfolgende entzündliche Reaktion bedingt einen narbigen Verschluß. Fulguriert werden beide Samenleiterenden auf einer Strecke von etwa 1 cm. Ein u-förmiges Stück des Ductus deferens wird reseziert und der testikuläre Stumpf ligiert, wodurch die beiden Samenleiterenden in verschiedenen Gewebeschichten zu liegen kommen. Eine Hautnaht ist nicht erforderlich.

Der Vorteil dieser Technik besteht in einer hohen Sicherheit (0,4 % Versagerquote) bei minimaler Komplikationsrate (Entzündung und Hämatome unter 1 %). Im eigenen Krankengut (> 2500 Fälle) werden die Patienten mit einem Suspensorium versorgt, benötigen keine Schmerzmittel und gehen am nächsten Tag ihrer geregelten Arbeit nach. Diese Methode dürfte derzeit die weltweit immer noch am häufigsten angewandte Technik sein, wobei sie der „No-scalpel vasectomy“ in geübten Händen bezüglich minimaler Traumatisierung in nichts nachsteht. Um zum Samenleiter zu gelangen, muß die Haut durchtrennt werden. Dazu sind 5 mm Hautöffnung erforderlich. Dabei ist es gleichgültig, ob das durch eine Spreizung der Haut mittels einer außen scharf geschliffenen Klemme, wie bei der No-scalpel vasectomy, oder durch eine Stichinzision mit dem Skalpell oder elektrochirurgisch mit der Diathermienadel erfolgt.

No-scalpel vasectomy

No-scalpelDie wohl bekannteste minimal-invasive Technik ist die aus China stammende „No-scalpel vasectomy“. Dabei wird mittels einer spitzen Klemme die Haut über dem Samenleiter durchbohrt und gespreizt und anschließend die Samenleiterhülle eröffnet und der Samenleiter selbst durch ein trickreiche Drehung der Klemme freigelegt. Danach wird der Ductus deferens mit einer speziellen Halteklemme gefaßt. Dann wird der Samenleiter durchtrennt, gegebenenfalls teilreseziert und anschließend die Samenleiterenden mittels Fulguration oder Unterbindung versorgt. Diese Technik ist sicher die derzeit atraumatischste Methode und findet weltweit immer mehr Anwender, weil die Komplikationsrate (0,4 %) deutlich unter jener bei konventioneller Vasektomie (3,4 %) liegt.

In den USA wurden 1995 etwa 494.000 Vasektomien durchgeführt, davon 29 % mittels No-scalpel Technik. Inzwischen wurden über 60 Millionen No-scalpel vasectomies in 26 Ländern durchgeführt. Die Lernkurve für die No-scalpel vasectomy ist relativ flach, sodaß es von großem Nutzen ist, sich diese Methode von einem erfahrenen Operateur gegebenenfalls mehrfach zeigen zu lassen. Erst bei entsprechender Routine (über 30 Vasektomien) ist die erstrebte niedrige Komplikationsrate (0,4 %) erreichbar. Eine Variante dieser Technik ist die „perkutane“ Vasektomie, bei der die trickreiche Drehung der Klemme vermieden wird.

Ligaturtechnik (konventionelle Vasoresektion)

LigaturtechnikBei der wohl am weitesten verbreiteten Technik in Deutschland, der Ligaturtechnik, werden die Samenleiter aufgesucht, durchtrennt, ein entsprechendes Stück reseziert (> 2 cm) und die Enden ligiert und ggfls. noch umgeschlagen. Bei Refertilisierungsoperationen konnte dieses u-förmige Stück Samenleiter bei hunderten von Eingriffen im eigenen Krankengut nie beobachtet werden. Offenbar kommt es druckbedingt zu einer Nekrose des umgeschlagenen Samenleiterabschnittes, sodaß schließlich nur ein bindegewebiger Rest verbleibt. Die logische Schlußfolgerung aus dieser Beobachtung ist, daß das u-förmige Umschlagen des Samenleiters unnötig ist. Werden bei dieser Technik weniger als 14–16 mm reseziert – was dem Durchmesser eines großen Spermagranuloms entspricht – steigt die Rekanalisierungsrate signifikant an.

 

Open-ended vasectomy

Eine weniger verbreitete Operationsmethode besteht in dem völligen Offenlassen des testikulären Samenleiterendes
(sog. „Open-ended vasectomy“), was zur Bildung von Spermagranulomen bei 97 % der Patienten führte. Die Versagerquote lag bei 4 %. Die Bildung des Spermagranuloms verhindert postoperative Orchialgien und ermöglicht Voraussetzungen für eine eventuell notwendige Refertilisierungsoperation, da es infolge eines gewissen Druckausgleiches im Granulom nicht zu sog. „blow-outs“ mit anschließender Granulombildung im Nebenhoden kommt. Wegen der hohen Versagerquote konnte sich diese Methode jedoch nicht durchsetzen können.

Cliptechnik

Bei dieser Technik werden die Samenleiterenden mittels Hämoclips verschlossen. Das Problem besteht darin, daß Hämoclips für Gefäße gemacht sind und nicht für den kräftigen Muskelschlauch Samenleiter. Durch das postoperative
Ödem des Samenleiters können die Clips auseinandergedrückt werden. Andererseits droht bei zu starker Okklusion die Nekrose und damit die spontane Rekanalisation. In einer kanadischen Studie betrug die Versagerquote 8,7 % gegenüber 0,3 % bei Anwendung der Fulgurationstechnik.

Eine Alternative zur Vasektomie stellt die auf der Jahrestagung der American Urological Association (AUA) 2003 in Chicago vorgestellte VASCLIP® Technik dar. Dabei wird der Samenleiter wie bei der No-scalpel vasectomy oder der Fulgurationstechnik präpariert, dann aber nicht durchtrennt, sondern mittels eines Hem-o-lok-Clips zusammengepreßt, ohne daß es zur Nekrose des Gewebes kommt. Grund hierfür ist der Umstand, daß der im Hem-o-lok-Clip verbleibende Raum für einen normalen Samenleiter mit einem Durchmesser von etwa 3 mm groß genug ist.
In einer Serie von 124 Männern, die auf diese Weise unfruchtbar gemacht wurden, gab es keine Hämatome oder Infektionen bei drei Versagern (2,5 %). Die Grundidee ist bestechend und einfach. Allerdings sollte die Sicherheit der Methode erst an einer größeren Zahl von Patienten erprobt werden.

Laparoskopische Vasektomie

In Einzelfällen macht es Sinn, anläßlich einer endoskopisch durchgeführten Versorgung einer Leistenhernie gleichzeitig eine Vasektomie durchzuführen. Als Methode zur Vasektomie per se ist der laparoskopische Eingriff weder medizinisch noch ökonomisch vertretbar.